Kollapsbewusste Kirche
Kollapsbewusstsein bedeutet, heranziehende Katastrophen wahrzunehmen und ernst zu nehmen. Immer mehr Christen engagieren sich unter dem Begriff Kollaps in verschiedenen Initiativen. Sie eint der Gedanke, dass die Kirchen einen besonderen Beitrag bei der Bewältigung der sozialen und ökologischen Kollapse leisten müssen. Eine kollapsbewusste Kirche ist im Entstehen.
Sich dem Thema stellen
Die Auseinandersetzung mit den ökologischen Krisen und den desaströsen Auswirkungen erfordert Mut und Überwindung. Die vielen negative Aussichten und Konsequenzen können uns innerlich sehr berühren und zu Trauer und Angst führen. Die Möglichkeit eines Zusammenbruchs zu akzeptieren, heißt, eine Zukunft sterben zu sehen, die uns so teuer war und sicher schien, so irrational sie auch gewesen sein mag. Ein Fundament wird unter unseren Füßen weggezogen.
Anderseits verdrängen wir diese Themen seit Jahrzehnten, wodurch wir viele Möglichkeiten für einer besseren Zukunft verschenkt haben. Weiter abwarten heißt, weitere Möglichkeiten nicht zu nutzen und die Chance auf ein agieren statt nur noch zu reagieren komplett zu vergeben. Vielleicht bietet diese Zeit schon die letzte Chance, für ein vorbereitendes Handeln.
Aus der Geschichte wissen wir, dass das Scheitern einer Zivilisation und der Übergang zu anderen Formen sozialer Organisation ein langer und schwieriger Prozess ist. Die Richtung, die Gesellschaften in Krise A einschlägt, ist entscheidend dafür, welche Optionen in Krise B noch zur Verfügung stehen. Wahrscheinlich befinden wir uns sogar schon in Krise A, nur dass wir uns das noch nicht eingestehen wollen.
Die Vorbereitung auf diese Krisen entscheidet mit, wie wir diese bewältigen werden. Dabei müssen wir mit schwierigen und chaotischen Prozessen rechnen, dies sich über lange Zeit hinweg strecken können. Das Aufrechterhalten von Ordnung und Stabilität sowie einer Orientierung sind fundamental wichtig für die Erfolgsaussichten.
Lit: „Wie alles zusammenbrechen kann“ Pablo Servigne, Raphael Stevens
Christliche Kollapsinitiative
Auf dem Kollapscamp 2025 gründete sich unter Federführung von Erhard Maria Klein die Christliche Kollapsinitiative. Ihr Grundgedanke ist, dass Christen im Zeitalter multipler Krisen einen Beitrag zum Aufbau solidarischer, resilienter Netzwerke leisten. "Wie können wir angesichts der Kollapse Mensch bleiben?", ist ihr wichtigstes Anliegen.
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Dr. Martin Horstmann ist Studienleiter an der Melanchthon Akademie in Köln. Er veröffentlichte neun Thesen für eine kollapsbewusste Kirche und Diakonie. Im Mittelpunkt steht dabei, wie eine kollektive Krisenresilienz aufgebaut werden kann.
