ArcheN-Projekt
Schöpfung und Hoffnung bewahren


Solastalgie

Seit Jahren begleitet mich ein Gefühl von Trauer, Schmerz und Hilflosigkeit beim Gedanken an die Zerstörungen, die wir in der Natur, an der Schöpfung und gegenüber der Welt als Ganzes angerichtet haben. Mittlerweile weiß ich, dass es dafür einen Begriff gibt: Solastalgie. Geprägt wurde der Begriff 2005 durch den australischen Naturphilosophen Glenn Albrecht.

Dieses Gefühl begleitet mich auf dem Weg zur Arbeit, wenn an mir auf meinem Fahrrad permanent eine Flut von Autos vorbei zieht. Es ist da, wenn ich zum schönen blauen Himmel schaue und dort sich die Kondensstreifen der Flugzeuge kreuzen. Es befällt mich, wenn ich kurzgeschorene monotone Rasenflächen sehe, auf der kein Blümchen blüht und kein Bienchen summt, dafür aber unwirtliche Grünpflanzen den Rest des Garten bestimmen. Es schüttelt mich beim Anblick zubetonierter Flächen, riesiger Parkplätze und mit Baumärkten sowie von Einkaufcentern zersiedelte Randgebieten. 
Ich habe meinen Medienkonsum auf die Tageszeitung reduziert, weil ich diese Hypernormalität, dieses Ausblenden der ökologischen Krisen, dieses schamlos zur Schau gestellten Wohlstand, diese Werbung für mehr, schöner und cooler, diese zügellose Selbstverwirklichung, diese permanente Heiterkeit, diese Animation zu Konsum, Reisen und sonst wie was nicht mehr ertrage. Es macht nur noch trauriger, denn sie wissen was sie tun. 

Kann mich jemals etwas trösten? Ja, Menschen die sich daran machen, diese Schuld und diese Sünde wieder gut zu machen. Menschen, die die Natur stärken und notleidende helfen. Menschen die ihren Freiheitswahn aufgegeben haben und Verantwortung übernehmen. Menschen die umkehren und andere mitnehmen. Ich weiß, dass es nie wieder so gut werden wird, jedenfalls soweit mein Denken reicht. Aber ich werde auch nie die Hoffnung aufgeben, dass wir verantwortungsbewusste Menschen werden können. (Lutz Naschke)


Dr. Michael Streubel

Ich bin aktivistisch unterwegs seit langer Zeit in Bezug auf die Mitweltkatastrophe, die sich vor unseren Augen vollzieht.
Für mich bedeutet der Begriff Solastalgie (das ist ja wohl auch seine eigentliche Bedeutung), dass ich mich der traurigen Tatsache zu stellen habe, dass wir nicht mehr alles retten können, nicht mehr die Welt zurückerhalten, in der wir lange lebten. Diese Einsicht liegt wie ein Stein auf der Brust und aus ihr folgt, dass es ohne radikalen Bruch nicht weitergeht. Sie gibt genau den Hinweis,  dass es eigentlich nur diesen einen Ausweg noch gibt, nämlich bereit zu sein, uns von dem Leben zu lösen, das wir geplant haben, damit wir das Leben finden, das auf uns wartet.
Unsere Lebensselbstverständlichkeiten sind massiv in Frage gestellt und lösen sich nach und nach auf, zerbröseln oder werden in echten Katastrophen zusammenkrachen. Das bedeutet und dieser schlichte Satz treibt mir die Tränen in die Augen: 

Und es wird nicht mehr wieder alles gut. Das sich klarzumachen, erzeugt eine Beklemmung riesiger Trauer.


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